Ev. Pfarramt Bodersweier / Zierolshofen

 
Der erste Hinweis auf eine Kirche in Bodersweier stammt aus dem Jahre 1226. Es handelte sich vermutlich um eine kleine Chorkirche, wie sie im Mittelalter an vielen Orten vorhanden waren und die später zu Chorturmkirchen ausgebaut wurden.
1616, mehr als ein halbes Jahrhundert nach der Reformation, wurde in nachgotischem Stil das jetzige Langhaus gebaut, vermutlich als erster Kirchensaal mit dieser Dimension im rechtsrheinischen Hanauerland. Der Turm mit dem Chor und die Sakristei wurden 1626 errichtet.
Die zwei verschiedenen Baujahre der Kirche sind in Stein gemeißelt: Langhaus: 1616 im Wappenrelief an der westlichen Giebelseite und über dem Südportal. Für diesen Bauabschnitt war das Kirchenbauamt des Grafen (Kirchenschaffenei) zuständig und verantwortlich.
Turm mit Chor: 1626 über der Tür, die vom Chor in die Sakristei führt. Für diesen Bauabschnitt war das Stift zum Alten St. Peter in Straßburg zuständig und verantwortlich;
von hier aus wurden ursprünglich die Pfarrstellen besetzt.

Das Wappenrelief über dem Haupteingang erinnert an den Grafen Johann Reinhard I von Hanau-Lichtenberg. Er war gleichzeitig der oberste Kirchenherr. Sein Kirchenbauamt (Kirchenschaffenei) war 1616 für den Bau des Langhauses zuständig. Die zeitbedingten Schmuckelemente erinnern an die Stilepoche des Manierismus. Auf der Schrifttafel sind
die Herrschaftstitel des Grafen aufgeführt, darüber kann man sowohl auf der eigentlichen Wappentafel als auch in 
den darüber und daneben angebrachten Oberwappen die Symbole der damals fünf Herrschaftsbereiche erkennen.

An die kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen Österreich und Preußen einerseits und dem revolutionären Frankreich andererseits erinnert ein Epitaph an der südlichen Außenwand der Kirche. Leutnant Meinrad Kolhund vom Hohenzollern-Schwäbischen Kürassierregiment ließ es 1794 hier anbringen, vermutlich als seine erst 42jährige Ehefrau ihn hier besuchte und starb. Vermutlich ist die Frau auch hier auf dem einstigen Kirchhof beerdigt worden. Und so lautet die eingemeißelte Inschrift:
Die wohlgebohrne Frau Maria Francisca Kolhund, gebohrne von Helbeling
alt 42 [?] Jahr, vermählt 19 Jahr Gestorben d. 30t Merz 1794.
Wer rief, geliebtes Weib dich zu mir ins entfernte Lager? War es nicht Sensucht und Lieb den geliebten Gatten zu sehen Ach – du kamst – und sahst – und sanckst dem Tod in die Arme. Noch umglaenzt mich das Licht deiner Tugend du leichtene Kristn und deine ehliche Treu du zaertliche Gattin umschwebt mich. Ruhest du eben so sanft als du lebtest, so ruhest im Frieden und erwartest von Gott deiner Tugend und Treue Belohnung.
Dir errichtet aus Dank und Liebe dies traurige Denkmal.
 
Das archivierte „Register der Kirchenstühle“ unterstreicht die Bedeutung der Amtskirche bis ins 20. Jahrhundert hinein. Der Besuch des sonntäglichen Gottesdienstes galt als „Christenpflicht“ und es galt eine strenge Regelung gemäß der hanau-lichtenbergischen Stuhlordnung. Die Sitzplätze wurden innerhalb der Familien vererbt bzw. verkauft, und zwar je nach Position zu unterschiedlichen Preisen. Wer wenig oder kein Geld hatte, musste in den hinteren Reihen Platz nehmen. Amtsträger und andere Honoratioren nebst Ehefrauen hatten privilegierte Freiplätze. So spiegelte sich in der kirchlichen Sitzordnung das soziale Gefälle im Dorf.

Die Geschichte der Kirche ist auch die Geschichte ihrer Glocken. Das Glockengeläut erschallte nicht nur für gottesdienstliche Zwecke. Das Morgen-, Mittag- und Abendläuten hat eine lange Tradition. Glocken wurden für den Feueralarm gebraucht, und sie läuteten auch, wenn auf dem Schlachtfeld Siege errungen wurden. Immer wieder lesen wir von der Anschaffung neuer Glocken, auch weil die vorhandenen zerstört oder auch weil aus ihrem Bronzematerial in Kriegszeiten Waffen hergestellt wurden. Zuletzt wurden zwei neue Glocken im Jahre 1950 angeschafft. Weil sie aus Eisengrauguss und nicht aus Bronze waren, setzten sie bald Rost an und galten als minderwertig.
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Hauptsächlich im Alltag der Menschen spielte die Kirchturmuhr eine bedeutende Rolle. Vom Uhrenkasten im Kirchturm aus wurden über Jahrhunderte die Stundenschläge und die Zeiger der Turmzifferblätter gesteuert. Vom Turm aus wurden die Menschen im Dorf und im Feld stets darüber informiert, welche Stunde es geschlagen hatte. Einige Male wurde das mechanische Uhrwerk ersetzt. Das letzte seiner Art kam 1977 ins Handwerksmuseum nach Kork und wurde von einer elektrischen Anlage abgelöst. Inzwischen sorgen ein Computer und das Funksignal der Atomuhr in Braunschweig für die pünktlichen Zeitsignale
 
1776 stiftete die politische Gemeinde die erste uns bekannte Orgel. Sie wurde in der Werkstätte von Georg Marcus Stein in Durlach bei Karlsruhe gebaut. Anstatt es zu reparieren, wurde das Instrument 1905 gegen eine damals moderne pneumatische Walcker-Orgel ausgetauscht. Nach etwas mehr als 60 Jahren galt auch diese als nicht mehr reparabel. 1975 wurde die jetzige Orgel, gebaut von Peter Vier in Oberweier bei Lahr, festlich eingeweiht. Das prächtige barocke Gehäuse von 1776 war und ist die äußere Hülle für alle drei Orgeln.
 
Das Kruzifix ist seit langem das einzige nicht am Bauwerk verankerte religiöse Kunstobjekt in der Kirche. Seine Urheberschaft ist nicht bekannt. Ähnliche Darstellungen sind aus der Barockzeit bekannt. Ungewöhnlich ist der blutbefleckte Engelskopf zu Füßen des Gekreuzigten. Die goldenen Endstücke der Kreuzesbalken können als Auffangschalen für das Blut des Erlösers angesehen werden.
 
Mit Bezug auf dieses Kruzifix entwarf der Künstler Horst Leyendecker die Glaselemente für das Chorfenster. Sie wurden 1975 eingebaut. Die Darstellung konzentriert sich auf das Passionsgeschehen: Die Dornenkronen, die Passionsblume, das Herz Jesu und die großflächig eingefügten Strukturen, die als Blut- oder Wassertropfen gedeutet werden können.

Eine künstlerische Ausgestaltung erfuhr das Kreuzgewölbe des Chors im Jahre 1998 durch den Restaurator Bernd Baldszuhn mit dem Christusmonogramm im Zentrum.
 
Ein Jahrhunderte altes Gebäude ist im Guten wie im Schlechten auch mit dem Schicksal der Region verbunden. Immer wieder wurde es im Zusammenhang mit Kriegsereignissen geplündert, schwer beschädigt und wieder instandgesetzt.
Mit dem Einbau der Emporen wurde mehr Platz für die Gläubigen geschaffen. Mehrere große Renovierungen erfolgten im 20. Jahrhundert. Bei der Gestaltung des Innenraumes legte man damals Wert auf neugotische Elemente. Auch die Renovierungen von 1953 und 1998 veränderten die Gestaltung des Innenraums.
Im Verlauf einer großen Außenrenovierung wurde 1965 auch der Zugang zum Haupteingang umgestaltet. Die Kriegerdenkmäler links und rechts der Kirche wurden entfernt und das Eingangspodest mit den breiten seitlichen Zugangstreppen angelegt. Vorher hatte eine steile Treppe vom Portal direkt auf die Straße geführt